TAURIS Broadway 125

Motoretta Feb 2015

Flaniermeile

EnMoto, die Firma, die hierzulande die preiswerten Tauris-Modelle vertreibt, bietet für die kommende Saison erstmals einen richtigen Touren-Scooter an. Dass sich der Tauris Broadway 125 sich optisch an einem Vorbild aus Japan orientiert, ist kein Nachteil.

TAURIS Broadway 125Der Broadway, das ist eine der bekanntesten Straßen in New York, das Viertel, in dem die großen Musicals und Theaterstücke aufgeführt werden. Zum Broadway geht man in Abendgarderobe und zeigt sich von seiner besten Seite. Wenn also ein Roller den Namen Broadway trägt, dann ist man gespannt, wie er sich auf der Straße präsentiert, ob er die große Show abzieht, nur freundlichen Applaus erntet oder Buh-Rufe. Mit dem Tauris Broadway 125 bringt der Österreichische lmporteur EnMoto seinen ersten echten Touren-Scooter auf den Markt. Bisher bestand das Tauris Modellprogramm überwiegend aus sportlichen und retromäßig angehauchten Fünfzigern sowie den entsprechenden Leichtkraft-Pendants. Mit dem Broadway dürfte EnMoto andere Kunden ansprechen, nämlich solche, die den Roller nicht nur auf Kurzstrecken einsetzen, sondern auch einmal eine Tagestour unternehmen möchten.
Unschwer zu erkennen ist, an wen sich die Entwickler beim Bau des Broadway orientiert haben. Er könnte locker als Variante des Suzuki Burgman durchgehen. Die rundliche Frontverkleidung mit dem keilförmig angeordneten Doppelscheinwerfer und die hoch gezogenen Windschutzscheibe wirken wie eine Blaupause des Japaners. Die optische Verwandschaft setzt sich nach hinten hin fort mit dem Mitteltunnel und den beiden großflächigen Trittbrettern. Die gestufte Sitzbank mit Lendenwirbelstütze geht in ein großzügig geformtes Heck mit stabilen Haltegriffen für die Sozia über.

Eigenständigkeit hat sich der Broadway mit der Hinteransicht bewahrt. Die Kombination aus voluminösem Rücklicht mit integrierten Blinkern sowie der darüber angeordneten LED-Lichtleiste ist ein Hingucker. Übersehen wird der Broadway von ihm nachfolgenden Verkehrsteilnehmern so nicht. Überhört auch nicht: Eine Besonderheit bei der Ausstattung ist die serienmäßige Soundanlage mit zwei in die Verkleidung eingebauten Lautsprechern. Der Fahrer hat die Wahl, nur Radio zu hören oder einen USB-Stick bzw. mp3-Player an die Verstärkereinheit im Staufach unter der Sitzbank anzuschließen. Hifi-Qualität sollte man nicht unbedingt erwarten, aber als musikalische Untermalung einer gemütlichen Überlandfahrt und zum Abhören von Verkehrsmeldungen reicht das System allemal aus. ln Sachen Ausstattung muss sich der 125er hinter vergleichbaren GT-Rollern ohnehin nicht verstecken. Dass die Scheinwerfereinheit von einer LED-Lichtleiste unterstützt wird, gehört inzwischen zum guten Ton in dieser Klasse. Darüber hinaus bietet der Tauris ein großzügiges Cockpit mit zwei analogen Rundinstrumenten für Drehzahl und Geschwindigkeit. ln der zentral dazwischen angeordneten Digital-Anzeige bekommt der Fahrer Infos zu Uhrzeit, Datum, Wochentag und Außentemperatur.

Der Kilometerstand wird separat im Tacho dargestellt. Zusätzlich gibt es noch seitlich angeordnet eine Tank- und eine Öltemperaturanzeige. Das Ausstattungspaket komplettieren der abschließbare Tank, der 12-Volt-Anschluss in einem der beiden Ablagefächer inklusive Zigarettenanzünder, die Warnblinker sowie Seiten- und Hauptständer. Bei einem Gewicht von 150 kg sollte man erwarten, dass der Motor entsprechend potent ist. Doch der gebläsegekühlte Viertakter bringt es in den Papieren nur auf homologierte 7,5 PS. In der Praxis macht er einen deutlich leistungsstärkeren Eindruck. Vom Gefühl her würde man die Fahrleistungen eher auf zehn bis elf PS schätzen.

Ein Ampelstarter ist er dennoch nicht. Aber einmal in Bewegung gebracht, macht er einen agilen und handlichen Eindruck. Lenkbefehle werden direkt umgesetzt, so dass der Fahrer selbst in engen Kehren flott unterwegs ist. Im Geschwindigkeitsbereich zwischen 50 und 70 km/h fühlt sich der Broadway am wohlsten. Darüber hinaus braucht es dann einige Zeit, bis die Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h erreicht ist. Die entspannte Sitzposition mit reichlich Platz für Fahrer und Sozius - mehr als auf dem Burgman 125 - verführt ohnehin zu einer gelassenen Fahrweise. Die Füße weit vorne auf den schrägen Ablagen abgestellt, den Lenker sicher in der Hand, so gleitet man auf dem Broadway beschaulich dahin. Der großzügig bemessene Radstand von 1570 mm garantiert einen stabilen Geradeauslauf, die beiden hinteren Federbeine eine ordentliche Dämpfung auch auf dem wenig gepflegten Asphalt unserer Großstädte. Die Telegabel könnte allerdings etwas straffer abgestimmt sein, auf Kopfsteinpflaster geht doch etwas von der ansonsten gezeigten Contenance verloren. Vorne wie hinten arbeitet beim Broadway je eine Scheibenbremse, ein Kombi-Bremssystem oder gar ein ABS besitzt er nicht. Die Bremsen sind sehr defensiv ausgelegt, ein echter Druckpunkt ist kaum spürbar. Die vordere Einheit hinterlässt sogar einen recht schwammigen Eindruck.

Der Tauris Broadway 125 ist vorallem für Leute interessant, die einen komfortablen, voll ausgestatteten Touren-Roller suchen, aber nicht bereit sind, viel Geld auszugeben, ein Suzuki Burgman kostet z.B. doppelt soviel. Dafür kann man dann Abstriche bei der Technik, der Passgenauigkeit und Qualität einiger Plastikteile durchaus hinnehmen.


Plus

  • reichhaltiges Platzangebot
  • angenehme Ergonomie
  • reichhaltige Ausstattung
  • ordentlicher Fahrkomfort


Minus

  • defensiv ausgelegte Bremsen
  • wenig Stauraum
  • für einen Touren-Roller

An der Ausstattung gibt es nichts zu meckern: die Knöpfe und Schalter funktionieren problemlos, der Tankzugang im Mitteltunnel ist abschließbar, und den 1 2-Volt-Anschluss kann man sogar als Zigarettenanzünder nutzen.

Die hinteren Federbeine sind einstellbar, unter der Sitzbank ist reichlich Raum, ins Staufach passt aber nur ein Heim. Ein Blickfang sind die Rücklichter mit LED-Leuchtleiste

Inklusive: Radio- und Mmp3-Anschluss; Im Cockpit findet man alle notwendigen Infos, die Batterie steckt im MitteltunneL.

TECHNISCHE DATEN
Motor:
Bauart: Einzylinder, Viertakter
Gassteuerung: Membran
Gemischaufbereitung: Vergaser,ø 24 mm
Hubraum: 124,6cm
Bohrung x Hub: 52,4 x 57,8 mm
Kiihlung: Gebläse, Luft
Leistung: 7,5 PS (5,5 kW) bei 7500/min
Max. Drehmoment: 7,5 Nm bei 6000/min
Abgasreinigung: U-Kat (Euro 3)
Kraftiibertragung: stufenlos variable CVT-Automatik, Fliehkraft-Kupplung
Fahrwerk:
Rahmenbauart: Stahlrohrrahmen
Federung vorn: Telegabel, ø 30 mm
Federung hinten: Triebsatzschwinge mit zwei Federbeinen, vierfach einstellbar
Federwege vorn/hinten: 120 mm / 150 mm
Bremse vom/hinten: eine Scheibe, ø 240 mm; eine Scheibe ø 180 mm
Bereifung vorn/hinten: 130/70-12 / 130/70-12
Räder: Fünfspeichen-Leichtmetallguss
Abmessungen:
Länge/Höhe/Breite: 2140/1110/720 mm
Radstand: 1570mm
Sitzhöhe: 740 mm
Tankinhaft: 11,5L
Leergewicht/Zuladung: 150 kg / 150kg
Farben: Weiß-Schwarz
Messwerte:
Höchstgeschwindigkeit: 90 km/h
Verbrauch: 3,6 l/100 km
Reichweite: 305 km